Deutschland bezieht derzeit 84 Prozent seines Energiebedarfs aus fossilen Energieträgern. Obgleich diese nur noch wenige Jahrzehnte verfügbar sind und die Energienachfrage weltweit steigt, will die Bundesregierung den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2020 auf 10 Prozent des Primärenergiebedarfs steigern - heute sind es 3,6 Prozent. Ein hundertprozentiger Ersatz der fossilen Energieträger ist weder geplant, noch in Sicht. Um die absehbare Versorgungslücke zu schließen, müssten wesentlich intensivere Anstrengungen unternommen werden. Zwar wird über neue Energien und auch über das Ende der fossilen Energien berichtet, nicht jedoch darüber, dass es keinen adäquaten Ersatz gibt.
Im Jahr 2004 wurde der Primärenergieverbrauch nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) zu 36 Prozent durch Mineralöl, zu 25 Prozent durch Kohle, zu 23 Prozent durch Erdgas, zu 13 Prozent durch Kernenergie und nur zu 3,6 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt.
Fossile Energieträger (Stein- und Braunkohle sowie Erdöl und -gas) sind endliche Ressourcen. Bei gleich bleibender Förderung aller bekannten und vermuteten Reserven beträgt nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe die geschätzte Verfügbarkeit von Erdöl und Erdgas lediglich noch 43 bzw. 64 Jahre; bei Kohle sind dies knapp 200 Jahre.
Diese Angaben sind jedoch irreführend, da sie von einem gleich bleibenden Energiebedarf ausgehen. Tatsächlich ist der gesamte Energieverbrauch weltweit im Jahr 2004 um 4,3 Prozent gestiegen; mit einer zunehmenden Beschleunigung dieses Anstiegs ist zu rechnen. Allein der Energiebedarf Indiens wuchs 2004 um 7,2 Prozent, der Bedarf Chinas sogar um 15,1 Prozent. Innerhalb der letzten drei Jahre ist der chinesische Energiebedarf um 65 Prozent gestiegen. Auf der Basis dieser Zahlen ist davon auszugehen, dass die Nachfrage das Angebot schon bald übersteigt. Damit wird es schon früher zu drastischen Verteuerungen, zu Verteilungskämpfen und schließlich zum Versiegen der fossilen Energieträger kommen.
Da auch die statische Reichweite bekannter Vorräte von Natururan lediglich bei geschätzten 67 Jahren liegt, stellt auch die Kernenergie keine langfristige Alternative zur Kompensierung der versiegenden fossilen Energieträger dar; die dringende Notwendigkeit der adäquaten Vorbereitung auf die anstehende Energiewende durch eine drastische Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Energieversorgung liegt auf der Hand. Im deutlichen Widerspruch dazu stehen die Ziele der Bundesregierung, den Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergiebedarf bis zum Jahr 2020 auf nur 10 Prozent zu steigern.
Eine im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) durch ein Forscherteam erarbeitete Leitstudie "Ökologisch optimierter Ausbau der Nutzung der erneuerbaren Energien in Deutschland" stellt die Prognose auf, dass selbst im Jahr 2050 der Anteil fossiler Energieträger an der Stromerzeugung noch bei 35 Prozent, der Anteil an der Deckung des Wärmebedarfs gar noch bei 50 Prozent liegen wird.
Neben der Industrie, die den größten Anteil am deutschen Energieverbrauch hat, hängt auch die Sicherung von Lebensstandard und -Qualität jedes Einzelnen von einer ausreichenden Energieversorgung ab. Ob Kommunikation oder Mobilität, ob medizinische Versorgung oder Grundbedürfnisse wie Nahrung und (beheizter) Wohnraum - wir sind abhängig von Energie und ihrer ausreichenden Verfügbarkeit.
Deshalb kann nicht früh genug mit den Vorbereitungen für die Energiewende begonnen werden. Die Erforschung und Entwicklung neuer Energietechnologien erfordert Zeit, ebenso wie die Ausbildung geeigneten Fachpersonals für die Herstellung, Wartung und Bedienung der entsprechenden Anlagen.
Bei rechtzeitiger Einsicht in die Dringlichkeit der Erforschung und Entwicklung von Technologien zur effizienten Nutzung regenerativer Energiequellen hat Deutschland die Chance, auf diesem Sektor eine weltweite Spitzenposition einzunehmen. Ist das Innovationstempo jedoch nicht hoch genug, wird eine rechtzeitige Energiewende versäumt.
Die Berichterstattung zum Ende der fossilen Energien ist ausreichend in den Medien repräsentiert. Dies bestätigten auch Dr. Johannes Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie Christoph Schrader vom Ressort „Wissen“ der Süddeutschen Zeitung. Betrachtet man aber den Aspekt der bislang unzureichenden Maßnahmen für den Ersatz der fossilen Energieträger durch regenerative Energien, so findet man keinerlei ausführliche Berichte oder Artikel in den Medien.
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU):
"Die Energiepolitik unter Rot-Grün ist nie davon ausgegangen, dass erneuerbare Energien 1:1 fossile Energieträger ersetzen könnten, jedenfalls nicht mittelfristig. Ziel der Energiepolitik war vielmehr, 1. Verbesserung der Energieeffizienz in der [konventionellen] Stromerzeugung [...], 2. Verbesserung der Effizienz im Verbrauch (‚Energie-Sparen'), 3. massiver Ausbau der EE mit dem Ziel, bis 2020 mindestens 20Prozent des heutigen Verbrauchs daraus zu decken."
Greenpeace Deutschland:
"Über dieses Thema wird deutlich zu wenig berichtet, bzw. die Konsequenzen werden nicht deutlich genug kommuniziert. Die ‚statische Reichweite' der Ölreserven ist ein Begriff, der von den Ölkonzernen bewusst zur Irreführung der Öffentlichkeit benutzt wird (Esso mit dem ‚Öldorado', BP mit den Ölstatistiken)."
Colin Campbell, einer der führenden Experten zum Thema, prägte in den letzten Jahren den Begriff des "Peak of Oil" für den Scheitelpunkt der Erdölförderung, nach dessen Erreichen trotz Entdeckung neuer Ölfelder die weltweit geförderte Menge sinken wird. Das absehbare Versiegen fossiler Energieträger kommentiert er wie folgt:
„The problem is that it is an entirely new situation for never before has a resource as critical as oil begun to decline without sight of a better substitute. Oil is also central to the modern way of life, so the consequences of its decline are immense. It is therefore difficult for people to accept and react.“
Bearbeitet von Jörg Hahnraths und Josephine Mahler
Betreut von Christiane Schulzki-Haddouti, Institut für Kommunikationswissenschaften, Universität Bonn
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Die weltweiten Erdölquellen versiegen langsam, Tagesanzeiger, 5. Dezember 2005
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Die Desinformation der Ölmultis, taz, 19. Juli 2005
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Hinter dem Hügel; Eine Welt ohne Öl? Uns doch egal!, Süddeutsche Zeitung, 13. April 2005
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Der Albtraum vom endlichen Öl, taz, 14. Januar 2005
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Wir müssen weg vom Öl; Der Schlüssel zur Versorgungssicherheit und zum Klimaschutz ist die Organisation einer umfassenden Energiewende, Jürgen Trittin, Frankfurter Rundschau, 13. Januar 2005
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Erneuerbare Energien werden unterschätzt, Hermann Scheer (Eurosolar) über die Deckung des Weltenergiebedarfs nur mit Hilfe von Sonne, Wind, Wasser und Biomasse, Stuttgarter Nachrichten, 07.10.2005
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Es hat genügend fossile Energie, Tages-Anzeiger, 26. Februar 2004
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Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Erneuerbare Energien in Zahlen - nationale und internationale Entwicklung (Update Dezember 2005)
http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/2720/5466
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Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) zum Ziel 10 Prozent im Jahr 2020
http://www.bmu.de/reden/bundesumweltminister_sigmar_gabriel/doc/36380.php
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Framatome ANP, zur Reichweite von Natururan
http://www.framatome.de/anp/d/foa/anp/print/argumente/argumente_Uran_11_2005.pdf
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Richard Heinberg, The party’s over, Riemann 2004


